Historie

Die Geschichte unserer Gartenanlage geht weit zurück: Ursprünglich wurde das damalige Brachland am Ende der Seydlitzstraße von den Anwohnern aus der Not heraus genutzt, um Gemüse anzubauen. Ab 1912 bekam das Stück Land mehr und mehr Struktur: Es wurden Geräteschuppen, einfache Wege und sogar das erste Gartenhäuschen gebaut. So entstand von Anwohnern in Eigeninitiative eine einfache Gartenanlage, die zunächst ausschließlich zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt wurde.

Die ersten Grabeländer vor ihrer Gartenlaube um 1920-25.
Die ersten Grabeländer vor ihrer Gartenlaube um 1920-25.

Während des zweiten Weltkriegs wurde die Anlage durch Bomben verwüstet. Immer wieder haben Anwohner mit vereinten Kräften Sorge getragen, das Land im Gemeinschaftswohl zu kultivieren. Gerade während dieser Zeit entstanden Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, die in das gesamte Wohngebiet hineinstrahlten. In den Nachkriegsjahren trug die Ernte der angebauten Feldfrüchte zur Versorgung der Nachbarschaft bei.

Mit der Zeit wandelte sich das Bild der Anlage: In die Nutzgärten fanden Zierpflanzen und Rasenflächen Einzug. Es entstanden – unter Duldung der Stadt Dortmund – auch mehr Gartenhäuschen. Da die Anlage als Grabeland ohne feste Richtlinien galt, konnte sich eine Vielfalt an Stilrichtungen entwickeln, die sich bis heute erhalten hat. Die Pächter und Pächterinnen stammten weitgehend aus der Nachbarschaft, die Mehrheit arbeitete im benachbarten Hochofenwerk von Hoesch.

GV An der Kluse e.V. Die Anlage.
GV An der Kluse e.V. Die Anlage. Foto: Klinke

Im Jahre 1986 kam die Idee auf, die losen Strukturen ein wenig zu bündeln – in Form eines Vereins! So entstand ganz offiziell der „Kleingärtnerverein An der Kluse e.V.“, der alsbald für alle organisatorischen und rechtlichen Fragen zuständig war. Er organisierte den Ausbau einer Wasserleitung und den Anschluss ans Stromleitungsnetz – fast alles im Eigenbau! Insbesondere aber sorgte er für viele Festivitäten, die den Zusammenschluss der Gemeinschaft – sowie der Nachbarschaft, die meist miteingeladen war – förderten. 1993 wurde in Gemeinschaftsarbeit ein Vereinsheim gebaut, das bis heute für Versammlungen und Feiern genutzt wird.

In den Jahren 2010 bis 2016 ereilten die Anlage dann einige Herausforderungen: Zunächst mussten die Gärten in der untersten Reihe im Zuge der Renaturierung der Emscher weichen, da ein Stück des Hangs abgetragen wurde. Kaum hatten sich wieder neue Gärten im Rest des Streifens angesiedelt, kam es zu einem großen Aufschrei: Die gesamte Anlage drohte einem Bauvorhaben weichen zu müssen! – Aber nicht mit unserem Verein! Während die Stadtverwaltung bereits einen Bebauungsplan (Hö-269) erstellt hatte, startete der Verein mit vereinten Kräften eine Gartenrevolte. Dabei zog er alle politischen und öffentlichkeitswirksamen Register von der Online-Petition bis zur Beschwerde beim Petitionsausschluss. Schließlich gelang es ihm auf sehr friedliche Weise, die Politik auf seine Seite zu ziehen und die Anlage zu erhalten.

Mit großen Bannern protestieren die Kleingärtner gegen die geplante Bebauung.
Mit großen Bannern protestieren die Kleingärtner gegen die geplante Bebauung. Foto: Klinke

Allerdings erhielt er die Auflage, vom Grabeland zu einer ordnungsgemäßen Kleingartenanlage zu werden – was eine Umbauphase von ca. 1,5 Jahren nach sich zog. Ende 2017 waren dann pünktlich die Auflagen erfüllt, und die Anlage ist nunmehr eine Kleingartenanlage – mit allem was dazu gehört! Im Rahmen der Umstrukturierung entstanden u.a. neue Wege und Begleitrabatten sowie ein öffentliches Grundstück.
Glücklicherweise hat sich die Anlage den originalen Charakter weitgehend bewahren können. So hat jeder Garten seinen eigenen Stil, und Freiheit und Toleranz – natürlich in einem vernünftigen Rahmen – werden weiterhin großgeschrieben. Auch die Pächter und Pächterinnen sind sehr divers. Manche sind schon in der dritten Generation im Garten, haben hier praktisch, bei Omma und Oppa das Laufen gelernt, andere sind relativ neu in der Anlage, aber schnell integriert. Die Atmosphäre ist nach wie vor sehr familiär – bei nur 24 Parzellen kennt man sich untereinander – und gegenseitige Hilfsbereitschaft und Solidarität selbstverständlich.